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Autorin des Artikels

Jessica Schott

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23.01.2017 / Jessica Schott

Arbeitszeit ist Lebenszeit

Wie es dem Leipziger Pflegedienst Löwenherz mit 108 Mitarbeitern gelingt, ein Klima des Miteinanders herzustellen und die Unternehmensentwicklung gemeinsam mit den Mitarbeitern zu gestalten.

Stressig, schlechte Arbeitszeiten und miese Bezahlung – die Pflegebranche kämpft mit vielen Vorurteilen. Und sie kämpft mit dem Fachkräftemangel. Ganz anders geht es im Pflegedienst Löwenherz zu. Angelika Benkenstein, die Leiterin des Leipziger Unternehmens, liebt ihren Beruf und kann sich über eingehende Bewerbungen nicht beschweren. Weit über 100 Bewerbungsgespräche führt sie im Jahr. Nicht, weil sie permanent offene Stellen zu besetzen hat, sondern im Gegenteil weil sie jeder Initiativbewerbung eine Chance gibt, den Menschen kennenlernen möchte und – wenn doch einmal eine vakante Stelle zu vergeben ist – auf diese Weise gleich auf passende Kandidaten selbstständig zugehen kann. Doch wie kommt es zu diesem enormen Bewerberinteresse in einem von Fachkräftemangel geprägten Umfeld? Die Antwort ist zugleich simpel wie herausfordernd: Wertschätzung. 

Wertschätzung als Unternehmenskernwert

Mit dem Begriff der Wertschätzung verhält es sich dabei wie mit Einsteins Formel E = mc² – oft gehört und nie wirklich verstanden. Meist lediglich als Lob oder Anerkennung für geleistete Arbeit missgedeutet, wird das Buzzword „Wertschätzung“ von Führungsebenen als Funktionswert proklamiert, um die Mitarbeitermotivation zu steigern. Dabei setzt wirkliche Wertschätzung nicht bei der geleisteten Arbeit an, sondern bei dem Menschen, der sie erbringt. Benkenstein hat das verstanden. Sie erwartet von ihren Mitarbeitern nicht nur „ein gutes Herz“ für die Kunden, die zu Pflegenden, sondern auch für die eigenen Kollegen und für sich selbst. Ein respektvoller Umgang, Nachsicht und Anerkennung gehen damit einher. Und sie weiß, dass man als Chefin als gutes Beispiel vorangehen muss: Die Wertschätzung, die der Mitarbeiter von der Geschäftsführung erfährt, wird wiederum an Kollegen und Kunden weitergegeben. Die Leistung der Mitarbeiter wird trotzdem honoriert: So schrieb Angelika Benkenstein einmal einen Dankesbrief für die geleistete Arbeit, für jeden Mitarbeiter einen individuellen. 

Was Motivation und Fehlerkultur gemeinsam haben

Benkenstein geht gerne zur Arbeit und sie möchte, dass auch ihre Mitarbeiter gerne zur Arbeit gehen. Dabei weiß sie um einen Vorteil in der Pflegebranche, dem Außenstehende erst auf den zweiten Blick bewusst wird: Ihre Mitarbeiter sind intrinsisch motiviert. Einige Mitarbeiter beim Pflegedienst Löwenherz haben einen technischen Hintergrund und ändern ihren beruflichen Weg, um etwas Sinnvolles, etwas Gutes zu tun. Dennoch ist Benkenstein bewusst, dass auch extrinsische Faktoren wichtig sind, um die Motivation hochzuhalten. Einen wichtigen Beitrag dafür leistet ein festes Dienstplanmodell. Die Löwenherz-Mitarbeiter wissen schon Monate im Voraus, wann sie arbeiten und wann sie frei haben. Das gibt Unternehmen und Angestellten Planungssicherheit. 

Ein weiterer wichtiger Motivationsfaktor ist, dass eine angemessene Zeit für die zu erledigte Arbeit eingeräumt wird – eigentlich Mangelware in einer Branche, in der es um Beiträge, Zuzahlungen und Effizienz geht. Wenn Mitarbeiter vorher schon wissen, dass sie die anfallende Arbeit in der vorgesehenen Zeit nicht schaffen können, sinkt die Motivation und Misserfolg stellt sich ein. Auch eine offene Fehlerkultur erhöht die Motivation bei den Mitarbeitern. Verwundert dieser Zusammenhang zuerst einmal, verdeutlicht Benkenstein ihn wie folgt: Sie verlange von all ihren Angestellten nur 80 Prozent, man müsse auch einmal Fehler machen können. Der oft geforderte Anspruch 100 Prozent zu geben, würde nur Druck aufbauen. Sie selbst möchte diesem Druck nicht jeden Tag ausgesetzt sein, warum sollte sie ihn bei den Mitarbeitern aufbauen? 

Weg vom defizitären Denken und hin zum visionären Ansatz

Der Pflegebegriff war früher defizitär ausgerichtet. Es ging um Bedürftigkeit und die Pflege dieser. Mit der letzten Pflegereform veränderte sich diese Bedeutungszuschreibung gravierend und richtet sich fortan auf die Betreuung von Menschen in ihrer restlichen Lebenszeit, so zumindest optimistisch interpretiert. Aus einer Pflegekraft wird nun auch eine Betreuungsperson. Neue Leistungen im Bereich der Freizeitgestaltung wurden durch die Reform ermöglicht. Damit verbunden war ein Umdenken bei Pflegeunternehmen und -mitarbeiter. Benkensteins Anspruch: Sie wollte die Bedürfnisse ihrer Angestellten in die Pflegeleistung integrieren und nicht diktieren. Daher wurde 2014 gemeinsam mit uns, NeulandQuartier, die Löwenkonferenz ins Leben gerufen. 

Es ging darum, dass außerberufliche Potenzial der Mitarbeiter für den Pflegeberuf abzurufen und zu nutzen. Die Mitarbeiter wurden gefragt, was sie gerne in ihrer Freizeit unternehmen und was sie sich davon auch als Freizeitgestaltung für die Kunden vorstellen können. Ein naheliegender Gedanke und doch so visionär. Dass Angelika Benkenstein das richtige Gespür hatte, beweisen nicht nur Zahlen. Es entstanden 383 verschiedene Ideen zur Freizeitgestaltung, daraus wurden rund 60 konkrete Angebote entwickelt, von denen – 2 Jahre nach der Konferenz – über 100 Kunden ausgewählte bereits wahrnehmen. Mehr noch überzeugt aber dieser Fakt: Der Mitarbeiter kann während der Arbeitszeit persönlichen Interessen nachgehen und bekommt dies als reguläre Arbeitszeit selbstverständlich angerechnet; Der Kunde bekommt ein tolles Freizeiterlebnis wie z. B. einen Opernbesuch und die Kasse zahlt die Leistung wie gesetzlich vorgesehen. 

Sicherlich gehört aber auch folgende Maxime von Angelika Benkenstein als visionär eingeordnet: Arbeitszeit ist Lebenszeit. Man müsse sich bewusst machen, dass man die meiste Lebenszeit auf der Arbeit verbringt, die zweitlängste verschläft man. Erst an dritter Stelle kommt die Freizeit. Die eigene Arbeitszeit sei daher gut zu gestalten, nicht nur im Sinne von Räumlichkeiten, sondern auf der zwischenmenschlichen Ebene. Arbeitszeit sollte sinnvoll erscheinen und gut angelegt sein. 

Bilder: pixabay

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