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Autor des Artikels
Henning Schulze

Henning Schulze

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Blog_Partnerschaftliche Projektabwicklung
08.01.2018 / Henning Schulze

„Letztlich geht es darum, wieder Spaß am Bauen zu haben.“

Die Abwicklung von Bauprojekten ist traditionell durch das Verhältnis zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer geprägt, ein Verhältnis, das Konfliktpotenzial birgt und weitreichende Konsequenzen für den Fortschritt von Bauvorhaben entwickeln kann. In Zusammenarbeit mit der Universität Kassel beschreitet die DEGES in einem Pilotprojekt zur „Partnerschaftlichen Projektabwicklung“ (PPA) seit 2008 einen neuen Pfad, mit dem den Konflikten effektiver begegnet werden soll. NeulandQuartier sprach mit Holger Behrmann, Projektleiter bei DEGES, und Axel Wilhelm, Geschäftsführer der wioX ingenieure GmbH über die Chancen und Risiken der PPA sowie die kommunikativen Herausforderungen während des Verfahrens. Die DEGES Deutsche Einheit Fernstraßenplanungs- und -bau GmbH steuert und koordiniert bundesweit komplexe Vorhaben im Infrastrukturbereich. Der Projektsteuerer wioX ingenieure mit Sitz in Erfurt war Partner der DEGES in einem Pilotprojekt der PPA.

NeulandQuartier (NQ): Transparenz und Partnerschaftlichkeit beim Bau, warum sind das eigentlich relevante Themen?

Axel Wilhelm (AW): Wegen der unterschiedlichen Ziele, die von den Parteien verfolgt werden. Die Auftraggeber wollen ihr Bauwerk in hoher Qualität zu niedrigen Kosten und in kürzester Zeit. Der Auftragnehmer, die Baufirma, will mit einer ausreichenden Qualität in angemessener Zeit höchste Gewinne erzielen. Das sind Faktoren, die ja schon gegensätzlich sind. Die DEGES hat erkannt, dass man da ansetzen muss und versucht, mit verschiedenen Prozessen für mehr Klarheit zwischen den Parteien zu sorgen. Das eigentliche Ziel ist eine gemeinsame Vertrauensbasis und Transparenz zwischen den Partnern. Allein dadurch, dass man überhaupt miteinander spricht und gemeinsame Vorschläge unterbreitet werden entstehen gegenseitige Wertschätzung und Respekt.

Holger Behrmann (HB): Ich kann dem zustimmen. Es ist ja so, dass wir in den letzten Jahren einen erheblichen Preiskampf auf den Baustellen hatten. Da gibt es dann beinharte Auseinandersetzungen über die Bauleistung, die Qualität der Ausschreibungsunterlagen oder zusätzliche Leistungen. Da steht nicht mehr das eigentliche Bauwerk im Vordergrund, sondern die vertragliche Ebene und der Konflikt um die Konditionen. Wir haben daher versucht, Mechanismen einzuführen, mit denen beide Seiten wieder besser zusammenfinden, damit man nicht mehr nur den Vertragskampf hat, sondern miteinander baut. Letztlich haben alle Beteiligten wieder Spaß am Bauen und sind auch motivierter.

NQ: Können Sie uns kurz skizzieren, wie das Verfahren in der PPA abläuft?

HB: Beim PPA, so wie es von der Universität Kassel vorbereitet wurde, gibt es sieben Module. Das erste Modul greift schon vor dem eigentlichen Vertrag und sieht die Definition des Bau-Solls vor. Das zweite Modul beschäftigt sich damit, was passiert, wenn man von dem ausgeschriebenen Bau-Soll abweicht. Das dritte Modul dient dazu, gemeinsam über Risiken zu beraten und diese zu verfolgen. Das vierte Modul sorgt dafür, dass gemeinsame Projektdaten auf einer Plattform abgelegt werden. Besonders wichtig ist das fünfte Modul, in dem die Kompetenzen und Entscheidungsstrukturen auf Auftraggeber- und Auftragnehmerseite festgelegt werden. Im Falle der Notwendigkeit einer Entscheidung wird so sicher gestellt, dass die richtigen Partner miteinander reden und verhandeln. Ein weiteres Modul beschäftigt sich mit etwaigen Konflikten zwischen den Partnern. Es werden verschiedene Ebenen festgelegt, auf denen im Konfliktfall verhandelt wird, an deren Ende dann der Lenkungsausschuss steht, in dem die Geschäftsführungen miteinander ins Gespräch kommen. Eine Schlichtung durch einen benannten Schlichter oder Gutachter ist vorgesehen, wenn der Konflikt nicht wie beschrieben gelöst werden kann. Das letzte Modul dient dann der Projektoptimierung.

AW: Ganz interessant ist die Mediation, die im Konfliktfall stattfindet – durch Sachverständige die von beiden Parteien ausgewählt werden und unabhängig sein sollten. Ich weiß aber nicht, ob Gutachter bei Ihnen auch diese Unabhängigkeit und auch diese fachliche Eignung aufweisen?

HB: Im Fall der A71 haben wir drei Schlichter benannt, die die Baumaßnahme ständig begleitet haben. Das waren drei Bauingenieure mit einem umfassenden Wissen zu unseren Infrastrukturmaßnahmen. Diese haben bei Konflikten auch entsprechende Schlichtungen vorgeschlagen oder Schlichtersprüche ergehen lassen.

NQ: Herr Behrmann, Sie wurden bei dem Projekt von der Universität Kassel begleitet. Es ist nicht immer so einfach, die Praxis und den akademischen Blick zusammen zu bringen. Ist das aus Ihrer Sicht bei der A71 denn gut gelungen?

HB: Das Projekt ist ja noch lange nicht zu Ende. Die Baumaßnahme geht noch bis 2020, und ich denke, dass wir immer noch Erfahrungen sammeln. Wir haben mit der A71 eines der ersten PPA-Pilotprojekte durchgeführt und kommen jetzt zum nächsten. Auch bei diesem Projekt stoßen wir immer wieder an Fragen, die anders zu lösen sind, und da steht uns die Universität Kassel zur Seite. Man muss auch ganz klar sagen, dass wir noch befangen sind in unseren Sichtweisen als Auftragnehmer oder Auftraggeber. Da hilft es, wenn uns die Universität Kassel aus einer neutralen Perspektive berät.

NQ: Die Universität Kassel ist also nicht nur wissenschaftlicher Begleiter, sondern auch Moderator und evaluiert die Prozesse begleitend?

HB: Die Universität moderiert nur die Fragestellungen in Hinblick auf den Erfolg der Anwendung der PPA. Zueinander finden müssen Auftraggeber und Auftragnehmer letztlich alleine. Und das ist auch vernünftig, weil wir ja gemeinsame Entscheidungen treffen müssen.

NQ: Herr Behrmann, Sie haben sich das Thema Bürgerorientierung auch auf die Fahnen geschrieben. Jetzt könnte man ja meinen, „partnerschaftlich“ bezieht auch Beteiligung oder Akzeptanzkommunikation der Stakeholder mit ein.

HB: Die Partnerschaftliche Projektabwicklung konzentriert sich eigentlich auf die Sphäre zwischen Auftraggeber und Auftragnehmer. Da geht es erst einmal nicht direkt um Bürgerbeteiligung. Beim Thema Stakeholdermanagement gibt es aber trotzdem Schnittmengen, auch bei Themen, die die Kommunikationskultur und Transparenz von Entscheidungen betreffen.

NQ: Welche methodischen und sozialen Kompetenzen müssen die Beteiligten mitbringen, um überhaupt gemeinsam im Rahmen der PPA zum Erfolg zu kommen?

AW: Das sind ganz persönliche Dinge. Die am PPA beteiligten Personen sollten in der Lage sein, sich mit gegenseitigem Respekt aufeinander zuzubewegen. PPA lebt letztendlich davon sich einzulassen, miteinander zu sprechen und sich gegenüber der anderen Seite zu öffnen.

HBDas würde ich auch sagen. Man muss außerdem sehr diszipliniert miteinander umgehen, weil man sich letztendlich immer wieder dieselben Fragen stellen muss: Haben wir gemeinsame Ansätze bei Risiken? Wie gehen wir mit dem einen oder anderen Thema um? Haben wir das jetzt wirklich miteinander abgearbeitet?

NQ: Letzte Frage an Sie beide: Würden Sie sagen, Sie würden das auch weiterempfehlen, was Sie da ausprobieren?

HB: Aus meiner Sicht grundsätzlich ja. Natürlich ist es so, dass man noch Dinge im laufenden Prozess anpassen muss. Ich glaube, es ist wichtig, dass Bauindustrie und Auftraggeberschaft erst einmal erkennen, dass PPA eine Möglichkeit ist, Verträge mit größerer Kompetenz leichter abzuwickeln. Dazu gehört aber nicht nur, dass man methodisch und technisch klar ist, sondern dass man sich auch kulturell aufeinander zubewegt.

AW: Ja, so sehe ich das auch. Man erreicht damit, sich auf Augenhöhe zu bewegen, eben weil man die Interessenlagen des anderen erkennt. Durch die materiellen Anreize macht man außerdem die Bauunternehmen munter, innovative Aspekte mit einzubringen.

NQ: Ich bedanke mich ganz herzlich bei Ihnen beiden für das Gespräch. 

Das Interview führte Henning Schulze, Berater bei NeulandQuartier.