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Autorin des Artikels

Viola Heth

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11.06.2017 / Viola Heth

Medien in Verruf – Fake News mit Transparenz und Dialog begegnen

„Fake News“, „Falschmeldung“, „Alternative Fakten“, „Lügenpresse“: Die aktuellen Vorwürfe gegenüber den Medien sind vielfältig – und laut. Selbst etablierte Qualitätsmedien und der öffentlich-rechtliche Rundfunk haben ein Vertrauensproblem. Schaut man aber genauer hin, drängt sich die Frage auf: Was bezeichnet der Begriff Fake News überhaupt? Und wie lässt er sich zur Falschmeldung abgrenzen? In einer Gesellschaft, in der teils wahllose Unterstellungen gegenüber Medien und Politik immer lauter werden und sich gleichsam das Informationsverhalten grundlegend wandelt, scheint eines dringend notwendig: Ein konstruktiver, transparenter Dialog über die Grundsätze journalistischer Praxis.  

Vertrauen in Funktion der Medien schwindet

Breite Teile des Publikums stellen die Funktion, Bedeutung und Qualität der Medien – auch der Qualitätspresse und des öffentlich-rechtlichen Rundfunks – in Frage. Sie kritisieren eine einseitige, inszenierte Berichterstattung, werfen den Medien eine undifferenzierte Orientierung am Mainstream vor und verdächtigen sie pauschal der Lüge – und lassen dies Medienvertreter durch laute Fake News- und Lügenpresse-Rufe wissen. Die Gründe für den Vertrauensverlust[1] sind vielfältig: Individuelle Nutzungs- und Informationsgewohnheiten passen sich den veränderten Angeboten und Möglichkeiten des Internets sowie Sozialer Netzwerke wie Facebook oder Twitter an. Sie bieten abseits des klassischen Medienrepertoires zahlreiche Möglichkeiten, sich zu informieren und selbst zu Wort zu melden. Die Folge: Die Medien büßen ihre gesellschaftliche Orientierungsfunktion zunehmend ein. Filterblasen und Echo-Kammern entstehen – ein Informationsverhalten, in dem sich Nutzer ihre Meinung durch passend ausgewählte Nachrichten bestätigen lassen anstatt sich einem differenzierten Meinungsbildungsprozess zu stellen.

Fake News vs. Falschmeldung – absichtliches Irreführen statt unbeabsichtigtem Fehler

Für ein umfassendes Verständnis der aktuellen Debatte lohnt sich ein Blick auf die teils synonym oder gleichbedeutend verwendeten Begriffe Fake News und Falschmeldung. Denn die dadurch entstehende begriffliche Unschärfe schadet zunehmend dem Journalistenberuf.

Unter Fake News sind gefälschte oder zumindest modifizierte Nachrichten zu verstehen, die bewusst und absichtlich zur Irreführung des Publikums veröffentlicht und lanciert werden. Der Begriff als solcher ist keineswegs neu: Bereits Ende des 19. Jahrhunderts bezeichnete er bewusste Falschnachrichten in Zeitungen. Hochkonjunktur und damit Einzug in den heutigen allgemeinen Sprachgebrauch haben Fake News seit dem US-amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016, in dem politisch motivierte Fake News dem Kandidaten Donald Trump – angeblich – zum Sieg verhalfen. Trump gelang es in der Folge, den Begriff teilweise umzudeuten und ihm damit auch hierzulande eine auffällige Popularität zu bescheren.

In einem Atemzug mit Fake News ist häufig von Falschmeldung die Rede, obwohl sie im journalistischen Kontext etwas vollkommen Anderes bedeuten. Als Falschmeldung wird eine versehentlich oder unbeabsichtigt fehlerhafte Nachricht bezeichnet, die sich durch unzureichende Recherche oder Quellenprüfung im Nachhinein als solche herausstellt und richtiggestellt wird. Es handelt sich dabei also um einen „klassischen“ journalistischen Fehler, der weder etwas mit bewusster Irreführung noch mit Absicht gemein hat.[2]

Verständnis für journalistische Prinzipien und Qualitätskriterien fördern

Sowohl dem Vorwurf der „gefakten“ Medienberichterstattung als auch dem veränderten Informationsverhalten lässt sich Entscheidendes entgegensetzen: Ein breites Verständnis für journalistische Prinzipien und Qualitätskriterien, nach denen Journalisten ihre tägliche Arbeit verrichten. Festgehalten sind die Empfehlungen und Gebote im Pressekodex, dem ethischen Regelwerk des Deutschen Presserats. Wenngleich die Möglichkeiten zur Maßregelung bei Verstößen gegen die Berufsethik recht eingeschränkt sind, liefern sie zumindest für die Printmedien eine klare Orientierung.[3] Journalisten verpflichten sich im Idealfall also zu einer wahrheitsgemäßen Berichterstattung, die durch eine umfangreiche, sorgfältige Recherche gewährleistet wird. In der täglichen Nachrichtenflut gilt es möglichst einzelne Meldungen zu prüfen, Hintergründe, Aussagen und Quellen zu recherchieren, und zumindest das Zwei-Quellen-Prinzip walten zu lassen. Absolute Wahrheiten gibt es dabei freilich genauso wenig wie eine fehlerfreie Berichterstattung. Und natürlich verfolgen nicht alle Medienvertreter ihre berufsständischen Prinzipien gleichermaßen.

Trotz möglicher Fehltritte ist es wichtig, zugleich einen Blick auf die enormen ökonomischen Zwänge zu werfen, denen Journalisten in ihrer täglichen Arbeit ausgesetzt sind. Im unaufhörlich rotierenden Medienkarussell unterliegen sie einem stetigen Zeit- und Publikationsdruck, der nicht selten zulasten einer ausführlichen, sorgfältigen Recherche und Quellenprüfung und damit letztlich der Qualität ihrer Arbeit geht. Besonders in den digitalen Kanälen fordert selbst das Publikum eine sekundenschnelle Informationsweitergabe ein. Schleichen sich dabei trotz größtmöglicher Sorgfalt Fehler ein, gebietet es das journalistische Berufsethos idealerweise, sich diese einzugestehen und öffentlich richtigzustellen. Zahlreiche Medien beweisen bereits, dass sie ihrer gesellschaftlichen Aufgabe durch einen offenen, kritischen Umgang mit Informationen und zweifelhaften Quellen gewissenhaft nachkommen. So überprüft etwa die ARD für ihre Berichterstattung über den Bürgerkrieg in Syrien das gesamte Foto- und Videomaterial in einem vierstufigen Prozess auf seinen Wahrheitsgehalt und kennzeichnet zweifelhafte Quellen entsprechend.

Mittels Transparenz und Dialog Vertrauen in Medien wiederherstellen

Ebenjene journalistischen Prinzipien und Qualitätskriterien gilt es zum einen in der täglichen Arbeit –konsequenter denn je – zu beachten, um möglichen Fehlern in der Berichterstattung proaktiv entgegenzuwirken und damit die Angriffsfläche für die weit verbreiteten „Lügenpresse“-Rufe zu minimieren. Diese Standards in einem weiteren notwendigen Schritt transparent offenzulegen, trägt dazu bei, das Verständnis breiter Teile der Bevölkerung für die Arbeitsweise und Zwänge von Journalisten zu fördern und damit die Glaubwürdigkeit und das Vertrauen in die Medien wiederherzustellen. Einseitiges Informieren ist dabei fehl am Platz. Vielmehr gilt es, in einen wechselseitigen Dialog mit den Bürgern vor Ort, dem eigenen Publikum, zu treten: Was verstehen sie unter der Arbeit von Journalisten? Wie schätzen sie das Mediensystem hierzulande ein? Welche Informationskanäle nutzen sie und warum? Was werfen sie Journalisten konkret vor? Ein solches Angebot zu Dialog und Beteiligung bietet die große Chance, sich gegenseitig besser kennenzulernen und nachzuvollziehen, um daraus neue Ideen oder eventuell notwendige Anpassungen für die künftige Arbeitsweise von Journalisten zu generieren.

[1] Siehe Studie der Uni Mainz/ ifak Institut (2016): 40 Prozent der Deutschen vertrauen den Medien „eher oder voll und ganz“ (2008: 29%), doch ganze 24 Prozent vertrauen ihnen „eher nicht oder überhaupt nicht“ (2008: 9%).

[2] Eine besonders differenzierte Abhandlung zum Begriffsunterschied findet sich beim Medienmagazin Zapp vom 1.2.17 (https://www.ndr.de/fernsehen/sendungen/zapp/Das-Medienmagazin,sendung604900.html). 

[3] Die gesetzliche Grundlage für den Öffentlich-rechtlichen Rundfunk bieten der Rundfunkstaatsvertrag sowie das Telemediengesetz.

NeulandQuartier berät Unternehmen, Organisationen und Kommunen bei Dialog- und Beteiligungsprozessen. Dabei verknüpfen wir unsere langjährige Expertise im Bereich Dialog und Öffentlichkeitsbeteiligung mit unserem fundierten Wissen über aktuelle politische, gesellschaftliche und mediale Entwicklungen und Zusammenhänge.

Bildquelle: pixabay.