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02 | 2024Christopher Sieben

Akzeptanz für Erneuerbare: Erfolg durch Dialog & Transparenz

<h1>Akzeptanz für Erneuerbare: Erfolg durch Dialog & Transparenz</h1>

Eine erfolgreiche Energiewende braucht Erneuerbare Energie. Solar- und Windenergieanlagen sollen in Deutschland daher stark ausgebaut werden. Doch der Bau der Anlagen stellt auch immer einen Eingriff in die Natur und Landschaft dar. Projektplaner und Energieversorgungsunternehmen sehen sich daher oft mit den Sorgen und Ängsten von einigen Bürgerinnen und Bürgern konfrontiert. Dabei reicht die Bandbreite der Einwände von hilfreichen Hinweisen zu den Gegebenheiten vor Ort, über die „Not in my backyard“ (NIMBY) Mentalität bis hin zum Infragestellen der Sinnhaftigkeit Erneuerbarer Energien von Leugnern des Klimawandels.

Wir bei NeulandQuartier stellen uns daher regelmäßig die Frage: Wie umgehen mit den Sorgen und Ängsten? Wie ist es möglich, mit den Bürgerinnen und Bürgern in einen sinnvollen Dialog zu treten, um sie aufzulösen oder gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme zu finden?

Gleichzeitig gilt es auch die Frage zu beantworten: Wie verhält man sich zu Personen, deren Argumente auf „alternativen“ Fakten, Unwahrheiten oder Gerüchten beruhen?

Durch unsere tägliche Arbeit haben wir festgestellt, welche Formate empfehlenswert sind und auf welche Punkte zu achten ist. Diese haben wir in sieben einfachen Do’s und Dont‘s zusammengefasst:

  1. Dialogveranstaltungen
  2. Keine Frontalveranstaltungen
  3. Inhaltliche Vorbereitung
  4. Zuhören und ernst nehmen
  5. Transparenz
  6. Timing ist alles
  7. Grenzen setzen und Kritik nicht persönlich nehmen


1. Dialogveranstaltungen: 

Ein zentraler Bestandteil im Umgang mit Sorgen und Ängsten von Bürgerinnen und Bürgern ist der direkte Dialog mit ihnen. Denn im persönlichen Gespräch kann auf individuelle Fragen, Anliegen und Bedenken eingegangen werden. Zudem kursieren gerade im Bereich der Erneuerbaren Energien oft unterschiedliche Informationen. Auch hier hilft das direkte Gespräch, um eine gemeinsame Informationsbasis zu schaffen. Wir sind daher große Befürworter von Bürgerinformationsveranstaltungen. Über die Jahre haben wir hierbei viel Erfahrung sammeln können und setzen schon lange auf das Format des Bürgerinformationsmarktes, was uns direkt zu Punkt zwei bringt:


2. Keine Frontalveranstaltungen: 

 Vorträge und Podiumsdiskussionen bieten Kritikern eine öffentliche Bühne. Oftmals geht es Personen aber nicht ums Thema, sondern darum, diese Bühne für sich und die eigene Agenda zu nutzen. Gerade beim Thema Windkraft lässt sich beobachten, dass Gruppen so vehement auftreten, dass die Veranstaltung im Zweifel sogar abgebrochen werden muss. Die Personen, die sich aber tatsächlich informieren oder inhaltlich zum Projekt beitragen wollen, gehen daher in solchen Veranstaltungen oft unter. Im Format des Bürgerinformationsmarktes können sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer wiederum an festen Themeninseln und in kleineren Gruppen mit Fachpersonal austauschen sowie ihre Fragen und Sorgen formulieren. Dies entzerrt die Veranstaltung und ermöglicht unserer Erfahrung nach einen ehrlichen und persönlichen Austausch, der nicht der Selbstinszenierung dient. In diesem direkten Kontakt ist es möglich, konkret auf die Ängste und Sorgen der Teilnehmenden einzugehen und auch individuelle Fragen zu beantworten.


3. Inhaltliche Vorbereitung: 

Damit das Fachpersonal auch adäquate Antworten geben kann, gilt es im Vorhinein allgemeine Sprachregelungen zu finden, bspw. In Form eines ausgearbeiteten FAQs. Dies betrifft Fachfragen aber auch politische Fragen. So lässt sich verhindern, dass evtl. widersprüchliche Aussagen getätigt werden, die wiederum zu Unklarheiten und Verwirrung führen. Eine klare inhaltliche Position ist gerade dann wichtig, wenn Teilnehmerinnen oder Teilnehmer sich auf ihre eigenen Quellen beziehen und abweichenden Informationen in die Diskussion einbringen. Hierbei gilt es, die Informationen kritisch zu prüfen und durch die korrekte inhaltliche Vorbereitung richtig reagieren zu können.


4. Zuhören und erst nehmen: 

Auch noch so gutes Fachpersonal kann manchmal keine zufriedenstellende Antwort geben. Aber nicht immer stehen Informationen und Fakten im Vordergrund, auch wenn es auf den ersten Blick so scheint. Bedürfnisse und Emotionen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer sollten ernst genommen werden. Zuhören und sich mit den Anliegen aktiv auseinandersetzen stellt hier den Schlüssel dar.


5. Transparenz: 

Wenn Anliegen der Bürgerinnen und Bürger aufgenommen werden, ist es wichtig, klar zu kommunizieren, was mit diesen Anmerkungen geschieht. Werden sie im weiteren Planungsverlauf beachtet? Wenn ja, wie genau und wenn nicht, warum nicht? Ähnliches gilt für den gesamten Planungs- und Bauablauf. So werden den Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeiten, aber auch die Grenzen ihrer Einflussnahme aufgezeigt. Dies ist wichtig, um keine falschen Erwartungen zu schaffen und Enttäuschungen auf Seiten der Beteiligten vorzubeugen.


6. Timing ist alles: 

Damit alle diese Do’s auch ihre volle Wirkung entfalten können, ist der gewählte Zeitpunkt der Veranstaltung wichtig. Das betrifft sowohl den Zeitpunkt im Projektzeitplan als auch den Wochentag sowie die Tageszeit. Befindet man sich noch zu früh im Projektverlauf, sind nur vage Aussagen möglich, ist man zu spät, steht schon alles fest und die Bürgerinnen und Bürger fühlen sich übergangen. Ideal ist es, mit etwas Vorlauf zur Stellung des Genehmigungsantrags zu agieren, oder noch besser, mehrere Veranstaltungen anzubieten. Auf diese Weise werden die Bürger und Bürgerinnen in den unterschiedlichen Projektphasen auf dem Laufenden gehalten und die Projektplaner bekommen Anmerkungen und Einwendungen frühzeitig mit.   Dies ist insbesondere bei Projekten mit langen Laufzeiten wichtig, wie es bei Windkraftanlagen der Fall ist. So können die Pläne gegebenenfalls frühzeitig angepasst und weiterer Aufwand im späteren Projektverlauf vermieden werden.


7. Grenzen setzen und Kritik nicht persönlich nehmen

Neben dem richtigen Zeitpunkt im Projektverlauf sollte auch der Wochentag und die Tageszeit möglichst inklusiv gewählt werden. Hier empfiehlt sich ein normaler Arbeitstag mit einem Zeitfenster, das in den Abend hineinreicht oder ein normaler Samstag, sodass auch Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer an der Veranstaltung teilnehmen können.  In jedem Fall sollte der Zeitpunkt der Veranstaltung so wenig Herausforderungen wie möglich darstellen.

Die Energiewende und die damit verbundenen Maßnahmen stellen für viele Menschen ein sensibles Thema dar, das oft mit Emotionen verknüpft ist. Zuhören und ernstnehmen sind in diesem Fall wichtig. Gleichzeitig gilt es gerade in hitzigen Diskussionen, einen kühlen Kopf zu bewahren. Kritik sollte niemals persönlich genommen werden. Dennoch gibt es klare Grenzen in Bezug auf den gemeinsamen Umgang, die im Rahmen einer Veranstaltung aufgezeigt werden sollten. Dabei gilt: Ärger darf kundgetan werden. Beleidigungen hingegen sind tabu und diesen muss sich auch nicht ausgesetzt werden.  Tritt ein solcher Fall ein, sollte freundlich aber bestimmt darauf hingewiesen werden. Stellt sich im weiteren Gespräch keine Besserung ein, sollte die Person der Veranstaltung verwiesen werden, auch um den restlichen Beteiligten die ungestörte Teilnahme weiter zu ermöglichen. Ein Verweis ist immer die letzte Maßnahme und sollte nur dann genutzt werden, wenn ein gemeinsamer Dialog nicht mehr möglich ist.


Fazit

Schlussendlich ist die Gestaltung des Transformationsprozesses unserer Energieversorgung ein kontroverses und vieldiskutiertes Thema, das stark polarisiert. Daher geht es im Planungsprozess vor allem darum, mit proaktiver, transparenter, direkter und offener Kommunikation das Vertrauen der Bürgerinnen und Bürgern zu gewinnen. So können ernsthafte Fragen beantwortet, falschen Informationen vorgebeugt und Einwände und Anmerkungen aufgenommen werden. Im Idealfall werden im Dialog sogar gemeinsam Lösungen für konkrete Probleme erarbeitet, die das Projekt voranbringen.