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02 | 2026Christopher Sieben

Mehr Transparenz, mehr Akzeptanz: Warum Information die Akzeptanz für neue Infrastruktur stärkt

<h1>Mehr Transparenz, mehr Akzeptanz: Warum Information die Akzeptanz für neue Infrastruktur stärkt</h1>

Der Ausbau neuer Infrastruktur gehört zu den zentralen Aufgaben der kommenden Jahre. Ob Energie-, Netz-, Leitungs- oder andere Transformationsprojekte: Technisch sind viele Vorhaben lösbar. Gesellschaftlich wird es oft komplexer. Akzeptanz vor Ort entscheidet zunehmend darüber, ob Projekte reibungslos umgesetzt werden können – oder früh unter Druck geraten.

Eine neue Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft kommt dabei zu einem klaren Ergebnis: Transparente Information zeigt Wirkung. Für Vorhabenträger und Projektentwickler ist das eine wichtige Erkenntnis. Denn es zeigt wieder einmal: Information ist kein „Nice-to-have“, sondern ein wesentlicher Bestandteil von professionellem Risikomanagement.

Transformationsprozesse nehmen zu und Akzeptanz wird zum Erfolgsfaktor

Der Ausbau von Netzen, Leitungen, Erzeugungsanlagen oder neuen Versorgungsstrukturen nimmt weiter zu und verändert Regionen – zumindest potenziell. Gleichzeitig zeigt sich: Die grundsätzliche Zustimmung zur Transformation ist vielerorts eigentlich vorhanden. Skepsis entsteht häufig dort, wo Unsicherheit dominiert.

In der Praxis erleben wir bei NeulandQuartier immer wieder, dass nicht die Maßnahme selbst den Widerstand erzeugt, sondern fehlende Orientierung. Wo Informationen ausbleiben, entsteht ein Vakuum. Und dieses Vakuum wird fast immer gefüllt – mit Gerüchten, Halbwissen oder sogar gezielten Falschinformationen. Genau hier setzt die aktuelle Studie an.

Was wurde untersucht?

Die Untersuchung analysiert Akzeptanz von Transformationsprozessen auf lokaler Ebene. Regionen wurden dabei anhand von geplanten und potenziellen Infrastrukturvorhaben in drei Kategorien eingeteilt.

  • Gebiete, in denen keine Veränderungen erforderlich sind
  • Gebiete, in denen Veränderungen in geringem Maße erforderlich sind
  • Gebiete, in denen Veränderungen in großem Maße erforderlich sind

Hierbei wurde zum Beispiel beachtet, wie viele neue Wind- und Solaranlagen oder Strom- und Gasleitungen in Planung sind.

In diesen Gebieten wurde dann untersucht, welchen Einfluss

  • die tatsächliche lokalen Betroffenheit,
  • die politische Einstellung,
  • sowie die Information über die eigene Betroffenheit
  • auf die Akzeptanz für die Transformationsprozesse hat.

Der Fokus lag dabei nicht auf abstrakter Zustimmung, sondern auf der Frage:
Wie bewerten Menschen Veränderungen in ihrem direkten Wohnumfeld?

Überraschend: Lokale Betroffenheit allein erklärt Akzeptanz kaum

Ein zentrales Ergebnis der Studie: Die objektive Betroffenheit einer Region hat nur einen begrenzten Einfluss auf die Akzeptanz. Gebiete mit hohem Veränderungsbedarf sind nicht automatisch ablehnender als andere.

Eine plausible Erklärung dafür liefert auch die Praxis: Viele Transformationsprozesse sind für Bürgerinnen und Bürger bislang kaum sichtbar. Leitungsinfrastruktur, Netzumbauten oder neue Versorgungsstrukturen existieren häufig zunächst auf Planungsebene. 

Studie Transformationsakzeptanz 1Quelle: Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Mertens, Armin / Wendt, Jan, 2026, Transparente Kommunikation stärkt lokale Transformationsakzeptanz. Ergebnisse eines kleinräumigen Befragungsexperiments, IW-Policy Paper, Nr. 1, Köln

Information zeigt Wirkung – aber nicht überall gleich

Besonders deutlich wird die Wirkung von Information über die eigene Betroffenheit in Regionen, in denen keine oder nur geringe Veränderungen erforderlich sind. Dort steigt die Akzeptanz signifikant, wenn Menschen frühzeitig erfahren, was tatsächlich geplant ist, oder eben nicht.

Diese Information wirkt vor allem entlastend. Sie reduziert diffuse Sorgen und korrigiert Fehlannahmen. Auch dies können wir aus unserer Praxis bestätigen. Gerade in frühen Projektphasen, in denen vieles noch abstrakt ist, kann Klarheit und Transparenz entscheidend sein.

In Regionen mit großem Veränderungsbedarf zeigt sich ein anderes Bild: Information allein steigert die Akzeptanz nicht automatisch. Gleichzeitig ist ein wichtiger Befund, dass Transparenz dort keine zusätzliche Ablehnung erzeugt. Die häufige Sorge, offene Kommunikation könne Widerstand verschärfen, bestätigt sich damit empirisch nicht.

Studie Transformationsakzeptanz 2Quelle: Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Mertens, Armin / Wendt, Jan, 2026, Transparente Kommunikation stärkt lokale Transformationsakzeptanz. Ergebnisse eines kleinräumigen Befragungsexperiments, IW-Policy Paper, Nr. 1, Köln

Die eigentliche Zielgruppe sind die Unentschlossenen

Ein weiteres zentrales Ergebnis: Ein großer Teil der Bevölkerung steht Transformationsprozessen nicht klar positiv oder negativ gegenüber, sondern ist unentschlossen. Diese Gruppe wird in Diskussionen häufig übersehen – dabei ist sie strategisch entscheidend.

Aus der Praxis wissen wir: In Informationsveranstaltungen dominieren oft wenige, sehr präsente Stimmen. Sie sind sichtbar, aber nicht repräsentativ. Die Mehrheit hört zu, stellt Fragen, sucht Orientierung. Genau hier entfaltet Information ihre Wirkung. Kommunikation sollte daher nicht auf die Lautesten optimiert werden, sondern auf die Unentschlossenen.

Nicht alle lassen sich überzeugen, aber das ist okay!

Die Studie zeigt auch, dass es Gruppen gibt, die auf Informationen kaum reagieren. Stark ideologisch gefestigte Haltungen lassen sich durch Fakten allein selten verändern. Auch das deckt sich mit unseren Erfahrungen aus der Praxis. Wichtig ist hier ein realistisches Erwartungsmanagement: Akzeptanz bedeutet nicht 100 Prozent Zustimmung. Ziel ist gesellschaftliche Tragfähigkeit, nicht vollständiger Konsens. Wer versucht, alle zu überzeugen, verliert oft die eigentliche Zielgruppe aus dem Blick.

Daher lautet auch unsere Empfehlung für Projektentwickler:

  • Früh informieren bedeutet Risiken senken Wer früh Klarheit über Planungsstand, Betroffenheit und nächste Schritte schafft, reduziert Unsicherheit – und damit Widerstand.
  • Kommunikation regional differenzieren Nicht jedes Projekt braucht sofort Beteiligung. Jedes Projekt braucht jedoch verlässliche Informationen.
  • Nicht auf die Lautesten optimieren Die Unentschlossenen sind in der Regel die wichtigste Zielgruppe. Sie entscheiden darüber, wie tragfähig ein Projekt vor Ort wahrgenommen wird. Sie gilt es, von der Sinnhaftigkeit des Projekts zu überzeugen.

Fazit:

Letztlich sehen wir in den Untersuchungen unsere Erfahrung aus der Praxis bestätigt, und die heißt klar: Transparenz hilft. Frühe Information schafft Orientierung, reduziert Unsicherheit und ist ein zentraler Baustein professioneller Infrastrukturkommunikation.

Für Vorhabenträger und Infrastrukturbetreiber bedeutet das: Wer informiert, handelt nicht defensiv, sondern strategisch.

Hier geht’s zur Studie:

Diermeier, Matthias / Doliesen, Konrad / Mertens, Armin / Wendt, Jan, 2026, Transparente Kommunikation stärkt lokale Transformationsakzeptanz. Ergebnisse eines kleinräumigen Befragungsexperiments, IW-Policy Paper, Nr. 1, Köln